Der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, sagte: „Ich schwöre bei dem, in dessen Hand meine Seele ist, es wurde weder in der Tora noch im Evangelium noch in den Psalmen noch im Koran etwas Vergleichbares wie die Mutter des Korans herabgesandt. Sie ist die sieben oft wiederholten Verse und der großartige Koran, der mir gegeben wurde." (Sahih al-Bukhari, Nr. 4704). Al-Fatiha ist der Kern aller göttlichen Offenbarungen.

Ein Gebet ohne Al-Fatiha ist ungültig. Der Prophet sagte: „Das Gebet dessen, der Al-Fatiha nicht rezitiert, ist nicht vollständig." (Sahih al-Bukhari, Nr. 756; Sahih Muslim, Nr. 394). Das macht das Verstehen dieser Sure zu einer religiösen Pflicht für jeden Muslim.

Die Namen der Sure

Al-Fatiha trägt viele Namen, die jeweils eine andere Dimension ihrer Bedeutung beleuchten. Imam as-Suyuti listet in Al-Itqan über zwanzig Namen auf. Die wichtigsten sind:

  • Al-Fatiha: Die Öffnende. Sie öffnet den Koran, das Gebet und das Herz.
  • Umm al-Quran: Die Mutter des Korans. Sie enthält in sieben Versen die Essenz des gesamten Korans.
  • Al-Sab' al-Mathani: Die sieben oft Wiederholten. Allah nennt sie so in Koran Sure 15, Vers 87.
  • Al-Kafiya: Die Ausreichende. Sie reicht als Gebet, auch wenn man keine weitere Sure rezitiert, obwohl das Pflicht ist.
  • Ash-Shifa: Die Heilende. Der Prophet, Friede sei mit ihm, lehrte, Al-Fatiha als Rakia (Heilungsgebet) zu verwenden. (Sahih al-Bukhari, Nr. 5736).

Vers 1: Bismillahir-Rahmanir-Raheem

Bismillahir-Rahmanir-Raheem

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Ob Bismillah ein Teil der Sure Al-Fatiha oder ein eigenständiger Vers ist, darüber haben die Rechtsschulen diskutiert. Die Malikiten sehen ihn nicht als Teil der Fatiha, die Hanafiten und Schafiiten zählen ihn zum Teil dazu. In jedem Fall bildet er den Eingang in die Sure und in das Gebet.

Das Wort Allah ist der Eigenname des Schöpfers. Es ist kein Adjektiv und kein Titel, sondern der Name, den er sich selbst gegeben hat. Kein anderes Lebewesen darf diesen Namen tragen.

Ar-Rahman (der Allerbarmer) ist eine intensive Form des Wortes Rahma (Barmherzigkeit). Es bedeutet: er, der eine unbegreifliche Fülle an Barmherzigkeit besitzt, die alle Geschöpfe in dieser Welt umfasst, Gläubige wie Ungläubige, Menschen wie Tiere. Imam Ibn al-Qayyim schreibt in Madarij as-Salikin, dass Ar-Rahman jene Barmherzigkeit beschreibt, die Allah von sich selbst ausgeht, ohne dass irgendjemand sie verdient hat.

Ar-Raheem (der Barmherzige) ist die Barmherzigkeit, die Allah speziell den Gläubigen am Jüngsten Tag zukommen lässt. Die Verbindung beider Namen zeigt: seine Barmherzigkeit ist sowohl universal als auch speziell, sowohl in dieser Welt als auch in der nächsten.

Vers 2: Alhamdulillahi rabbil-'alamin

Alhamdulillahi rabbil-'alamin

Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.

Das arabische Wort Hamd ist nicht dasselbe wie bloßes Loben (Madh). Madh kann man für etwas aussprechen, das man nicht liebt, zum Beispiel den Verstand eines Feindes loben. Hamd hingegen beinhaltet immer Liebe, Zuneigung und freiwillige Anerkennung. Alhamdulillah bedeutet also: ich lobe Allah aus Liebe und Freude, anerkenne seine Vollkommenheit und bin dankbar für seine Gaben.

Das Alif-Lam am Anfang von Al-Hamd zeigt Vollständigkeit an (Istighraq): alles Lob, das jemals von irgendeiner Zunge in irgendeiner Zeit gesprochen wurde oder gesprochen werden wird, gehört einzig Allah. Imam al-Baihaqi überliefert, dass der Prophet sagte: „Der beste Dhikr ist La ilaha illallah, und das beste Bittgebet ist Alhamdulillah." (Sunan al-Baihaqi; Sahih nach Al-Albani).

Rabb (Herr) bedeutet im Arabischen: Erzieher, Versorger, Besitzer und Herrscher. Allah ist nicht nur der Schöpfer, er ist der, der seine Schöpfung kontinuierlich erhält, ernährt und führt. Al-'Alamin (die Welten) umfasst alles Existierende: Menschen, Dschinns, Engel, Tiere, Pflanzen, Planeten, Galaxien. Alles steht unter seiner Herrschaft.

Vers 3: Ar-Rahmanir-Raheem

Ar-Rahmanir-Raheem

Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

Die Wiederholung der beiden göttlichen Namen aus dem Bismillah ist kein Zufall. Im Arabischen dient die Wiederholung der Betonung und Festigung. Nach der Aussage, dass aller Lob Allah gebührt, erinnert der Koran sofort daran, warum dieser Lob verdient ist: weil er der Allerbarmer und der Barmherzige ist. Seine Herrschaft über die Welten ist keine Herrschaft der Tyrannei, sondern eine Herrschaft der Barmherzigkeit.

Imam al-Qurtubi schreibt in seinem Tafsir Al-Jami li-Ahkam al-Quran, dass die Gelehrten sich einig sind: dieser Vers folgt direkt nach dem Lob, damit der Mensch versteht, dass er Allah nicht aus Furcht allein lobt, sondern aus Liebe zu seiner Barmherzigkeit. Die Balance zwischen Ehrfurcht (Sure 1, Vers 4: Herr des Jüngsten Tages) und Liebe (Ar-Rahman, Ar-Raheem) ist ein zentrales Merkmal der islamischen Gottesbeziehung.

Vers 4: Maliki yawmid-deen

Maliki yawmid-deen

Herrscher am Tag des Gerichts.

Es gibt zwei Lesarten: Malik (Besitzer, Herrscher) und Malik (König). Beide sind authentisch überliefert und beide sind richtig, denn Allah ist beides: der absolute Besitzer aller Macht und der König aller Könige.

Yawm ad-Deen ist der Tag des Gerichts, der Tag der Vergeltung und Belohnung. Es ist der Tag, an dem alle weltlichen Herrschaften, Vermögen und Einflüsse enden. Allah allein richtet an diesem Tag. Der Koran sagt dazu: „Wem gehört das Königreich heute? Allah, dem Einen, dem Unwiderstehlichen." (Sure 40, Vers 16).

Die Platzierung dieses Verses nach den Barmherzigkeitsversen ist tief durchdacht. Der Mensch, der sich der Barmherzigkeit Allahs gewiss ist, darf nicht sorglos werden. Es gibt einen Tag der Rechenschaft. Diese Balance zwischen Hoffnung und gesunder Ehrfurcht ist das Fundament eines ausgeglichenen islamischen Lebens.

Vers 5: Iyyaka na'budu wa iyyaka nasta'een

Iyyaka na'budu wa iyyaka nasta'een

Dir allein dienen wir, und dich allein bitten wir um Hilfe.

Dieser Vers ist die Achse der gesamten Sure und der Kern des islamischen Glaubens. Die Grammatik des Arabischen ist hier bedeutsam: Iyyaka steht am Anfang des Satzes, was im Arabischen ausschließliche Betonung signalisiert. Die korrekte Übersetzung ist nicht „Wir dienen dir", sondern „Dir, und nur dir, dienen wir." Kein anderer Empfänger der Anbetung existiert.

Imam Ibn al-Qayyim widmete diesem einzelnen Vers ein ganzes Buch: Madarij as-Salikin. Er schreibt, dass dieser Vers die vollständige Zusammenfassung der gesamten Religion enthält. Na'budu (wir dienen) steht für den äußeren und inneren Gehorsam. Nasta'een (wir bitten um Hilfe) ist das Eingeständnis der menschlichen Schwäche und der vollständigen Abhängigkeit von Allah.

Der Wechsel von dritter Person (Verse 2-4: Er ist...) zur zweiten Person (Du bist...) ist ein literarisches Mittel, das Plötzlichkeit und Unmittelbarkeit ausdrückt. Der Beter wendet sich direkt an Allah, er ist jetzt nicht mehr in Gedanken über Allah, er spricht mit ihm.

Vers 6: Ihdinas-siratal-mustaqeem

Ihdinas-siratal-mustaqeem

Leite uns auf den geraden Weg.

Hidaya hat im Arabischen zwei Bedeutungen: Führung zeigen und Führung geben. Das Bitten um Hidaya bedeutet beides: zeig mir den Weg und gib mir die Kraft, auf ihm zu gehen. Es ist das umfassendste Du'a im Koran.

Jeder Muslim betet diesen Vers mindestens 17 Mal täglich, und doch bleibt es das dringlichste Gebet. Warum? Weil der Mensch jeden Moment der Führung Allahs bedarf. Kein Mensch, selbst wenn er den geraden Weg kennt, bleibt ohne die Führung Allahs auf ihm. Der Prophet selbst bat täglich um Hidaya.

Sirat al-Mustaqeem (der gerade Weg) wird im nächsten Vers direkt definiert: der Weg derer, denen Allah Gunst erwiesen hat. Das sind die Propheten, die Aufrichtigen, die Märtyrer und die Frommen, wie Sure 4, Vers 69 erläutert. Es ist der Weg des vollständigen Islam: Glaube, Praxis und Charakter.

Vers 7: Der Weg der Begünstigten

Siratal-ladheena an'amta 'alayhim, ghayril-maghdoobi 'alayhim wa lad-daalleen

Den Weg derer, denen du Gunst erwiesen hast, nicht derer, über die Zorn liegt, und nicht der Irregehenden.

Der Prophet, Friede sei mit ihm, erklärte in einem Hadith bei Imam Ahmad und at-Tirmidhi (sahih nach Al-Albani, Nr. 2954), dass die „Maghdub alayhim" (die mit Zorn Belegten) jene sind, die das Wissen haben, aber nicht danach handeln. Die „Daallin" (Irregehenden) sind jene, die handeln, aber ohne Wissen. Der gerade Weg verbindet Wissen und Tat.

Das abschließende Ameen nach Al-Fatiha ist kein Teil der Sure, aber eine starke Bekräftigung. Der Prophet sagte: „Wenn der Imam Ameen sagt, dann sagt auch ihr Ameen, denn wessen Ameen mit dem Ameen der Engel zusammenfällt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben." (Sahih al-Bukhari, Nr. 780).

Al-Fatiha als Dialog zwischen Mensch und Allah

Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass Allah, der Erhabene, sagt: „Ich habe das Gebet zwischen mir und meinem Diener in zwei Hälften geteilt, und mein Diener bekommt, was er verlangt." Wenn der Diener sagt „Alhamdulillahi rabbil-'alamin", sagt Allah: „Mein Diener hat mich gepriesen." Wenn er sagt „Ar-Rahmanir-Raheem", sagt Allah: „Mein Diener hat mich gelobt." Wenn er sagt „Maliki yawmid-deen", sagt Allah: „Mein Diener hat mich verherrlicht." Wenn er sagt „Iyyaka na'budu wa iyyaka nasta'een", sagt Allah: „Dies ist zwischen mir und meinem Diener geteilt, und mein Diener bekommt, was er verlangt." Wenn er sagt „Ihdinas-siratal-mustaqeem...", sagt Allah: „Dies gehört meinem Diener, und mein Diener bekommt, was er verlangt." (Sahih Muslim, Nr. 395).

Dieser Hadith Qudsi ist eine der tiefsten Beschreibungen des Gebetes im Islam. Jedes Mal wenn du Al-Fatiha rezitierst, antwortet Allah. Das Gebet ist kein Monolog, es ist ein Dialog zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf.

Häufige Fragen

Warum heißt Al-Fatiha die Mutter des Korans?

Al-Fatiha wird Umm al-Quran, die Mutter des Korans, genannt, weil sie die wesentlichen Themen des gesamten Korans zusammenfasst: Tauhid (Einheit Allahs), seine Attribute, den Jüngsten Tag, Führung und die zwei Wege der Menschheit. Imam al-Bukhari überliefert diesen Titel in seinem Sahih.

Wie viele Mal wird Al-Fatiha täglich rezitiert?

Bei den 17 Pflicht-Rakat täglich wird Al-Fatiha in jedem einzelnen Rakat rezitiert. Das ergibt mindestens 17 Rezitationen pro Tag. Zählt man die Sunna-Rakat hinzu, steigt die Zahl auf über 30 täglich.

Was bedeutet Sirat al-Mustaqeem, der gerade Weg?

Der gerade Weg ist der Weg der Propheten, der Aufrichtigen, der Märtyrer und der Frommen, wie Sure 4, Vers 69 erläutert. Er bedeutet in der Praxis: den Islam zu befolgen, auf den Wegen des Propheten zu wandeln und die großen und kleinen Sünden zu meiden.

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