Eid al-Adha, auf Deutsch als "Opferfest" bekannt, wird am 10. Dhul Hijjah gefeiert und dauert bis zum 13. Dhul Hijjah. Es ist das grossere der beiden islamischen Eid-Feste und fallt zeitlich mit dem Hhohepunkt des Hajj, dem Aufenthalt auf dem Berg Arafah, zusammen. Die theologische Wurzel liegt in der Geschichte Ibrahims und Ismaels, die Allah tagelang in der Wuste pruften und deren Gehorsam die gesamte Gemeinschaft der Glaubigen bis heute feiert.

"Und als er (sein Sohn) das Alter des Mitarbeitens erreicht hatte, sprach er: 'O mein Sohn, ich sehe im Traum, dass ich dich schlachte. Schau, was du meinst.' Er sagte: 'O mein Vater, tu, was dir befohlen wird. Du wirst mich, so Allah will, als einen Geduldigen finden.'"
Koran 37:102

Praktischer Tipp: Das Eid-Gebet findet fruh am Morgen statt. Stellen Sie in der FivePrayer-App eine spezielle Eid-Erinnerung ein, damit Sie das Gebet nicht versaumen. Die Takbirat beginnen schon am 9. Dhul Hijjah.

Die Bedeutung des Opferfestes

Das arabische Wort "Adha" kommt von der Wurzel "adhaha" und bedeutet Opfern oder Schlachten. Das Fest erinnert an eine der tiefgreifendsten Pruefungen in der Prophetengeschichte: Allah befahl Ibrahim (Friede sei mit ihm), seinen Sohn zu opfern. Ibrahim war bereit, diesen Befehl auszufuehren, und genau dieser vollstandige Gehorsam wird bis heute geehrt.

Eid al-Adha ist kein Fest des Blutes. Es ist ein Fest der Hingabe, des Vertrauens in Allah und der Gemeinschaft. Das Fleisch des Opfertieres wird nicht zu Allah erhoben, sondern an Bedurftige verteilt. Der Koran sagt dazu: "Nicht ihr Fleisch und nicht ihr Blut erreicht Allah, aber eure Frommigkeit erreicht Ihn." (Koran 22:37)

Ibrahim, Ismail und der Widder

Die Koranische Erfahlung findet sich in Sure 37, den Versen 99 bis 111. Ibrahim berichtet dem jungen Ismail von seinem Traum, ihn zu schlachten. Ismail antwortet mit vollstandiger Ergebenheit: "O mein Vater, tu, was dir befohlen wird." Als Ibrahim das Messer anlegt und sich Ismail unterwirft, ruft Allah ihn zuruck: "O Ibrahim, du hast den Traum wahrhaftig erfullt." (Koran 37:104-105)

Als Losegeld schickte Allah einen grossen Widder (kabbsh azim) vom Himmel. Dieser Widder nahm den Platz Ismaels ein und wurde geschlachtet. Diese gottliche Ersetzung zeigt: Allah verlangt keine Menschenopfer. Er prueft die Herzen, und wer besteht, wird belohnt.

Die Udhiyah (das Tieropfer an Eid al-Adha) ist die lebendige Erinnerung an diesen Moment. Sie ist nicht bloss ein Ritual, sondern ein jahrlicher Ausdruck derselben Hingabe, die Ibrahim zeigte.

Die besten Tage: Erste 10 Tage Dhul Hijjah

Der Prophet Muhammad sagte: "Es gibt keine Tage, an denen gute Werke Allah lieber sind als diese zehn Tage." (Bukhari 969). Die ersten zehn Tage des Dhul Hijjah sind die gesegnetsten Tage des Jahres. Koran 89:2 schwort sogar bei den "zehn Nachten", was viele Gelehrte auf diese Tage beziehen.

Was sollte man in diesen Tagen tun? Mehr Dhikr (Gedenken Allahs), mehr Koran lesen, freiwillig fasten, Sadaqah geben und gute Werke verrichten. Der 9. Tag, der Arafah-Tag, ist besonders hervorgehoben.

Fasten am Arafah-Tag (9. Dhul Hijjah)

Fur Muslime, die nicht auf Hajj sind, ist das Fasten am Arafah-Tag (dem 9. Dhul Hijjah) eine der machtigen Sunnahs des Jahres. Der Prophet sagte: "Das Fasten am Arafah-Tag, ich hoffe, dass Allah es als Suhne fur das vorangegangene und das kommende Jahr annimmt." (Muslim 1162)

Das Fasten an einem einzigen Tag suhnt also die kleinen Sunden von zwei Jahren. Kein Gelehrter bestreitet, dass dies zu den besten freiwilligen Fastentagen des gesamten islamischen Jahres gehort. Hajjis selbst fasten nicht am Arafah-Tag, da sie die Kraft fur den langen Aufenthalt auf dem Berg Arafah benotigen.

Takbirat al-Tashriiq

Ab dem Fajr-Gebet des 9. Dhul Hijjah bis zum Asr-Gebet des 13. Dhul Hijjah werden die Takbirat al-Tashriiq nach jedem Pflichtgebet laut gesprochen. Dies gilt als Pflicht nach der hanafitischen Schule und als Sunnah Mu'akkada nach den anderen drei Schulen.

Der Text der Takbirat lautet:

اللَّهُ أَكْبَرُ اللَّهُ أَكْبَرُ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَاللَّهُ أَكْبَرُ اللَّهُ أَكْبَرُ وَلِلَّهِ الْحَمْدُ

Transliteration: Allahu akbar, Allahu akbar, la ilaha ill-Allah, wa Allahu akbar, Allahu akbar, wa lillahi l-hamd.

Bedeutung: Allah ist der Grosste, Allah ist der Grosste, es gibt keinen Gott ausser Allah, und Allah ist der Grosste, Allah ist der Grosste, und Allah gebuehrt alles Lob.

Die Takbirat werden auch frei zu jeder Zeit dieser Tage gesprochen: auf dem Weg zur Moschee, auf dem Markt, im Haus. Sie erfullen die Luft mit dem Gedenken Allahs und signalisieren der gesamten Gemeinschaft, dass die heiligsten Tage des Jahres begonnen haben.

Sunnah des Eid-Tages

Der 10. Dhul Hijjah, der Eid-Tag selbst, hat eine Reihe bewahrter Sunnahs:

  • Ghusl vor Fajr: Das vollstandige Bad (Ghusl) sollte vor dem Fajr-Gebet durchgefuhrt werden, um gereinigt und frisch zum Eid-Gebet zu erscheinen.
  • Schone Kleidung anlegen: Man zieht die besten oder neuen Kleidungsstucke an, als Ausdruck von Dankbarkeit und Freude.
  • Nichts essen vor dem Eid-Gebet: An Eid al-Adha ist es Sunnah, nichts zu essen, bis man nach dem Eid-Gebet vom eigenen Opfertier gegessen hat. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu Eid al-Fitr, an dem man vor dem Gebet Datteln isst.
  • Anderem Weg nach Hause: Der Prophet pflegte, zur Moschee auf einem Weg zu gehen und auf einem anderen zuruckzukehren. (Bukhari 986). Die Gelehrten erklaren, dass so mehr Menschen gegruesst werden und die Erde selbst Zeuge des Eid-Besuches wird.
  • Takbirat laut sprechen auf dem Weg zur Moschee.
  • Gluckwunsche austauschen: "Taqabbal Allahu minna wa minkum" (Moge Allah es von uns und euch annehmen) ist der klassische Eid-Gruss.

Das Eid-Gebet

Das Eid-Gebet besteht aus 2 Rakat mit Zusatz-Takbirat. Nach der Mehrheitsmeinung (Shafi'i, Maliki, Hanbali) spricht der Imam 7 Zusatz-Takbirat im ersten Rakat (nach der Eroffnungs-Takbir, aber vor der Rezitation) und 5 Zusatz-Takbirat im zweiten Rakat (vor der Rezitation). Nach der hanafitischen Schule werden 3 Zusatz-Takbirat im ersten Rakat und 3 im zweiten Rakat gesprochen, jeweils zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten.

Der Ablauf im Uberblick:

  1. Eroffnungs-Takbir (Takbiratul Ihram)
  2. Stille Du'a al-Istiftah (Eroffnungsgebet)
  3. 7 Zusatz-Takbirat (Hande hochheben bei jeder)
  4. Rezitation von Al-Fatihah und Sure (z.B. Al-A'la)
  5. Ruku', Sujud wie gewohnt
  6. Zweites Rakat: 5 Zusatz-Takbirat, dann Rezitation (z.B. Al-Ghashiya)
  7. Ruku', Sujud, Tashahhud, Salam
  8. Khutbah (Predigt) nach dem Gebet

Anders als beim Freitagsgebet kommt die Khutbah beim Eid-Gebet nach dem Beten, nicht davor. Das Gebet selbst ist die Pflicht; die Khutbah zu horen wird empfohlen, ist aber nach Mehrheitsmeinung nicht zwingend vorgeschrieben.

Udhiyah: Das Opfertier

Die Udhiyah ist das Tieropfer, das an Eid al-Adha durchgefuhrt wird. Es basiert auf dem Beispiel des Propheten: "Ich wurde mit dem Schlachten am Opferfest beauftragt, und es ist Sunnah fur euch." (Abu Dawud 2789). Nach der hanafitischen Schule ist es wajib (pflichtahnlich) fur jeden freien, erwachsenen Muslim, der den Nisab-Betrag besitzt und nicht auf Hajj ist.

Welche Tiere sind zulassig?

  • Schafe und Ziegen: Mindestalter 1 Jahr (oder 6 Monate, wenn sehr gross und gesund, nach einigen Gelehrten fur Schafe)
  • Rinder und Bueffel: Mindestalter 2 Jahre
  • Kamele: Mindestalter 5 Jahre

Das Tier muss gesund und frei von offensichtlichen Mangeln sein. Der Prophet nannte vier Makel, die ein Tier disqualifizieren: offensichtliche Blindheit, offensichtliche Krankheit, offensichtliche Lahmheit und so mager, dass es kein Mark mehr in den Knochen hat. (Abu Dawud; ahnliches bei Bukhari 5559 zur Sorgfalt beim Schlachten)

Ein Schaf oder eine Ziege gilt als Opfer fur eine einzelne Person oder Familie. Ein Rind oder Kamel kann auf sieben Personen aufgeteilt werden.

Das Schlachten muss im Zeitraum vom 10. bis zum 13. Dhul Hijjah erfolgen, vorzugsweise nach dem Eid-Gebet. Wer selbst schlachtet, sollte dabei "Bismillah, Allahu Akbar" sagen und die Klinge scharf halten, um dem Tier kein unnuotiges Leid zu bereiten.

Fleischverteilung: Die drei Anteile

Die islamische Gelehrsamkeit empfiehlt, das Fleisch des Opfertieres in drei moglichst gleiche Teile aufzuteilen:

  • Ein Drittel fur die Familie: Der Opfernde und seine Angehorigen durfen vom Fleisch essen. In der Zeit des Propheten war es verboten, das Fleisch uber drei Tage aufzubewahren, aber diese Einschrankung wurde spater aufgehoben. (Bukhari)
  • Ein Drittel fur Freunde und Nachbarn: Das Opferfest starkt die Gemeinschaft. Fleisch zu verschenken ist eine konkrete Handlung der Verbindung und der Dankbarkeit.
  • Ein Drittel fur Bedurftige und Arme: Dies ist der soziale Kern des Festes. Arme Muslime, die sich selbst kein Fleisch leisten konnen, sollen an Eid al-Adha Fleisch bekommen. Der Koran betont: "Esst davon und speist den Bedurftigen und den Armen." (Koran 22:36)

Diese Dreiteilung ist eine Empfehlung (istihbab), keine strikte Pflicht. Wer das gesamte Fleisch spendet, handelt vortrefflich. Wer alles behallt, handelt makruh (missbilligt). Die Schlussweisheit: Udhiyah ist kein privates Bankett, sondern ein Ausdruck gemeinsamer Hingabe und sozialer Verantwortung.

Eid al-Adha vs. Eid al-Fitr: Die Unterschiede

Beide Eid-Feste sind grosse Freudentage, unterscheiden sich aber in mehreren Punkten:

  • Datum: Eid al-Fitr am 1. Shawwal (nach Ramadan); Eid al-Adha am 10. Dhul Hijjah.
  • Vor dem Gebet essen: Eid al-Fitr: Datteln essen vor dem Gebet (Sunnah); Eid al-Adha: nichts essen vor dem Gebet.
  • Zakat al-Fitr: Nur an Eid al-Fitr, vor dem Gebet zu entrichten.
  • Udhiyah: Nur an Eid al-Adha.
  • Takbirat: Eid al-Fitr: Takbirat am Abend des 1. Shawwal; Eid al-Adha: Takbirat vom Fajr des 9. Dhul Hijjah bis zum Asr des 13. Dhul Hijjah.
  • Verbindung zum Hajj: Eid al-Adha ist direkt mit dem Hajj verbunden; Eid al-Fitr nicht.

FAQ

Wann ist Eid al-Adha?

Eid al-Adha fallt auf den 10. Dhul Hijjah, den zwolften und letzten Monat des islamischen Mondkalenders. Da der islamische Kalender lunar ist, verschiebt sich das Datum jedes Jahr um etwa 10 bis 11 Tage im gregorianischen Kalender nach vorne.

Ist Qurban Pflicht?

Nach der hanafitischen Schule ist das Opfer (Udhiyah) wajib (eine Pflicht ahnlicher Starke wie eine Fard-Handlung) fur jeden erwachsenen freien Muslim, der den Nisab-Betrag besitzt und nicht auf Hajj ist. Nach den Schulen der Shafi'iten, Malikiten und Hanbaliten ist es Sunnah Mu'akkada, also eine stark betonte Sunnah. Wer es sich leisten kann und es versaumt, handelt nach allen Schulen tadelnswert.

Darf man vor dem Eid-Gebet essen?

An Eid al-Adha ist es Sunnah, nichts zu essen, bis man nach dem Eid-Gebet und der Udhiyah-Schlachtung von seinem eigenen Opfertier gegessen hat. Wer kein eigenes Opfertier hat, darf essen, sobald das Eid-Gebet vorbei ist. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu Eid al-Fitr, an dem es Sunnah ist, vor dem Gebet Datteln zu essen.

Wie teilt man das Opfertier auf?

Das Fleisch wird in drei moglichst gleiche Teile aufgeteilt: ein Drittel fur die eigene Familie, ein Drittel fur Freunde und Nachbarn, und ein Drittel fur Bedurftige und Arme. Diese Dreiteilung ist eine Empfehlung der Gelehrten auf Basis der Praxis des Propheten. Wer das gesamte Fleisch an Arme spendet, tut eine besonders gute Tat.

Kann man das Opfer im Ausland machen lassen?

Ja. Es ist nach der Mehrheit der Gelehrten zulassig, eine islamische Organisation oder einen Schlachthof in einem anderen Land zu beauftragen, das Opfer in Ihrem Namen durchzufuhren. Dies ist besonders sinnvoll, wenn dadurch armen Gemeinschaften direkt geholfen werden kann. Man sollte darauf achten, dass das beauftragte Unternehmen vertrauenswurdig ist, die Bedingungen der Udhiyah erfullt und das Schlachten im richtigen Zeitraum (10. bis 13. Dhul Hijjah) stattfindet.

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