Der islamische Kalender, bekannt als at-Taqwim al-Hijri (Hijri-Kalender), ist ein reiner Mondkalender. Er basiert vollstandig auf den Mondphasen: Jeder Monat beginnt mit der Sichtung der neuen Mondsichel und dauert 29 oder 30 Tage. Ein islamisches Jahr hat 354 bis 355 Tage und ist damit etwa 11 Tage kurzer als ein gregorianisches Sonnenjahr.
"Die Anzahl der Monate bei Allah ist zwolf Monate in Allahs Verzeichnis seit dem Tag, an dem Er die Himmel und die Erde erschuf; davon sind vier heilig."
Koran 9:36
Wussten Sie? Die FivePrayer-App zeigt das aktuelle Hijri-Datum neben dem gregorianischen Datum an, sodass Sie immer wissen, in welchem islamischen Monat Sie sich befinden und welche Ereignisse naherkommen.
Geschichte des Hijri-Kalenders
Der islamische Kalender wurde im Jahr 638 n.Chr. (17 AH) unter dem Kalifen Umar ibn al-Khattab formell eingefuhrt. Umar bemerkte, dass es Verwirrung gab, weil islamische Dokumente kein einheitliches Datum trugen. Auf Beratung mit Gelehrten, darunter Ali ibn Abi Talib, wurde beschlossen, den Kalender mit dem Jahr der Hijra (Auswanderung) des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina im Jahr 622 n.Chr. beginnen zu lassen.
Das Jahr 622 n.Chr. wurde also zum Jahr 1 AH (Anno Hegirae, lateinisch fur "im Jahr der Hijra"). Die Hijra ist das Grundungsereignis der islamischen Gemeinschaft (Ummah) und stellt den Moment dar, in dem der Prophet und die ersten Muslime eine eigenstandige Gesellschaft aufzubauen begannen. Es ist daher kein Zufall, dass der islamische Kalender nicht mit der Geburt des Propheten oder dem Beginn der Offenbarung beginnt, sondern mit der Hijra: dem Moment des gemeinschaftlichen Aufbruchs.
Die Mondmonate selbst existierten in Arabien bereits vor dem Islam. Die Araber verwendeten Mondmonate und fegten gelegentlich Schaltmonate ein (Nasi') um Handelsmessen mit bestimmten Jahreszeiten zu synchronisieren. Der Koran verbot diese Praxis (Koran 9:37) und etablierte damit den reinen Mondkalender, den Muslime bis heute verwenden.
Aufbau: 354 Tage und Mondmonate
Ein islamisches Jahr besteht aus 12 Mondmonaten. Da ein Mondmonat durchschnittlich 29,53 Tage dauert, hat ein islamisches Jahr etwa 354,37 Tage. Das ergibt eine jahrliche Differenz von etwa 10 bis 11 Tagen gegenuber dem gregorianischen Sonnenjahr (365,25 Tage).
Diese Differenz hat eine wichtige Konsequenz: Islamische Ereignisse wie Ramadan, Hajj und die Eids wandern durch alle Jahreszeiten. In einer Periode von 33 Jahren kehren islamische Monate zu ihrer ursprunglichen Jahreszeit zuruck. Ramadan kann also im Sommer oder im Winter fallen, was bedeutet, dass das Fasten in verschiedenen Klimazonen und Jahreszeiten unterschiedliche Langen und Herausforderungen hat.
Ob ein Monat 29 oder 30 Tage hat, wird traditionell durch die Sichtung der Mondsichel bestimmt. Viele islamische Lander und Gemeinschaften richten sich nach astronomischen Berechnungen, wahrend andere an der traditionellen Mondsichtung festhalten. Dies fuhrt gelegentlich zu Unterschieden, an welchem Tag genau Ramadan beginnt oder Eid gefeiert wird.
Alle 12 Monate im Detail
1. Muharram (محرّم)
Muharram ist der erste Monat des islamischen Jahres und einer der vier heiligen Monate. Der Name bedeutet "verboten" und verweist auf das Verbot von Kampfen und Streit in diesem Monat. Der bekannteste Tag des Muharram ist der Ashura-Tag (10. Muharram). An diesem Tag fastete Musa (Moses) und die Banu Isra'il aus Dankbarkeit fur ihre Rettung vor dem Pharao. Als der Prophet Muhammad von diesem Fasten erfuhr, ordnete er an, am 9. und 10. Muharram zu fasten: "Wir haben mehr Recht auf Musa als sie." (Muslim 1162). Das Fasten am Ashura-Tag suhnt die kleinen Sunden des vorangegangenen Jahres.
2. Safar (صفر)
Safar bedeutet "leer" oder "gelb" und bezieht sich mooglicherweise auf die Zeit, in der die Araber ihre Hauser fur Reisen oder Kriegszuge verliessen. In der vorislamischen Zeit galt Safar als Unglucksmonat, eine Ansicht, die der Prophet Muhammad ausdrucklich ablehnte: "Es gibt keine (schlechte) Omen in Safar." (Bukhari). Besondere gottesdienstliche Handlungen sind im Safar nicht uberliefert, aber er ist ein normaler Monat, in dem man gute Werke verrichten sollte.
3. Rabi al-Awwal (ربيع الأول)
Rabi al-Awwal, der "erste Fruhling", ist der Monat der Geburt und des Todes des Propheten Muhammad. Der 12. Rabi al-Awwal wird von vielen Muslimen als Mawlid al-Nabi (Geburtstag des Propheten) begangen, mit Rezitationen, Lobpreisungen und religiosen Versammlungen. Die Gelehrten unterscheiden sich darin, wie und ob dieser Tag gefeiert werden sollte, aber alle sind sich einig: Rabi al-Awwal ist ein Monat, in dem man viel Salawat (Segensgruse auf den Propheten) sprechen und sein Leben und seine Lehren studieren sollte.
4. Rabi al-Thani (ربيع الثاني)
Rabi al-Thani, der "zweite Fruhling", hat keine besonderen religiosen Ereignisse oder Pflichten. Es ist ein Monat der Routine und der bestandigen guten Werke. Muslime nutzen ihn, um die Praktiken des Rabi al-Awwal zu vertiefen.
5. Jumada al-Ula (جمادى الأولى)
Der funfte Monat, "das erste Einfrieren", erinnert an die trockene, wasserarme Jahreszeit in Arabien. Besondere islamische Ereignisse sind in diesem Monat nicht uberliefert. Es ist ein Monat der Bestandigkeit im Gebet und der guten Werke.
6. Jumada al-Thani (جمادى الثانية)
Jumada al-Thani, der "zweite Einfrierungs-Monat", ist der sechste Monat. Auch er hat keine besonderen Pflichten, bietet aber die Moglichkeit, sich auf den folgenden Monat Rajab vorzubereiten.
7. Rajab (رجب)
Rajab ist einer der vier heiligen Monate und wird besonders geehrt. Er war schon vor dem Islam als heilig anerkannt. In den 27. Rajab fallt nach verbreiteter Meinung die Isra wa al-Miraj, die Nachtreise und Himmelfahrt des Propheten. In einer einzigen Nacht wurde er von Mekka nach Jerusalem (Isra) und von dort zu den sieben Himmeln (Miraj) gefuhrt, wo die funf taglichen Gebete vorgeschrieben wurden. Rajab ist ein guter Monat fur vermehrtes Fasten und Gebet, auch wenn spezifische Sunnahs fur bestimmte Rajab-Tage umstritten sind.
8. Sha'ban (شعبان)
Sha'ban ist der Vorbereitungsmonat fur Ramadan. Der Prophet pflegte in Sha'ban besonders viel zu fasten: "Das ist ein Monat, dem die Menschen wenig Aufmerksamkeit schenken, zwischen Rajab und Ramadan. Aber in ihm werden die Taten zu Allah erhoben, und ich mochte, dass meine Taten erhoben werden, wahrend ich faste." (An-Nasa'i). Die Mitte des Sha'ban (15. Sha'ban), Laylat al-Nisf min Sha'ban, wird von vielen Muslimen als Nacht besonderen Gebets und Dhikr begangen, obwohl die Gelehrten zur genauen Einordnung dieser Nacht unterschiedliche Ansichten haben.
9. Ramadan (رمضان)
Ramadan ist der bekannteste und geehrte aller islamischen Monate. In ihm wurde der Koran herabgesandt: "Der Monat Ramadan ist derjenige, in dem der Koran herabgesandt wurde, als Rechtleitung fur die Menschen und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung." (Koran 2:185). Das Fasten im Ramadan ist die vierte Saule des Islam und fur jeden erwachsenen, gesunden Muslim Pflicht. Die letzten zehn Nachte des Ramadan beinhalten die Laylat al-Qadr (Nacht der Macht oder Bestimmung), eine Nacht, die besser ist als tausend Monate (Koran 97:3). Der Ramadan endet mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens.
10. Shawwal (شوّال)
Shawwal beginnt mit Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens, am 1. Shawwal. Nach dem Eid empfiehlt der Prophet das Fasten von sechs Tagen im Shawwal: "Wer den Ramadan fastet und ihm sechs Tage im Shawwal folgen lasst, der ist wie jemand, der das ganze Jahr gefastet hat." (Muslim 1164). Diese sechs Fastentage konnen an beliebigen Tagen im Shawwal durchgefuhrt werden, manche fasten sie zusammenhangend, andere verteilt uber den Monat.
11. Dhul Qa'dah (ذو القعدة)
Dhul Qa'dah, der "Monat des Sitzens" oder der Waffenruhe, ist der dritte der vier heiligen Monate. Traditionell ruhten in diesem Monat Kampfe, damit Pilger sicher zur Hajj reisen konnten. Er ist der erste der drei aufeinanderfolgenden Monate, die zum Hajj gehoren (Shawwal, Dhul Qa'dah, Dhul Hijjah). Wer plant, Hajj durchzufuhren, nutzt Dhul Qa'dah fur intensive Vorbereitung und Reise nach Mekka.
12. Dhul Hijjah (ذو الحجة)
Dhul Hijjah, der "Monat der Pilgerfahrt", ist der letzte Monat des islamischen Jahres und ein Hohepunkt des religiosen Kalenders. In ihm finden statt: der Hajj (Pilgerfahrt, 8. bis 13. Dhul Hijjah), der Aufenthalt auf dem Berg Arafah (9. Dhul Hijjah), Eid al-Adha (10. Dhul Hijjah) und die Tage von Tashriiq (11. bis 13. Dhul Hijjah). Die ersten zehn Tage des Dhul Hijjah sind die besten Tage des gesamten Jahres: "Es gibt keine Tage, an denen gute Werke Allah lieber sind als diese zehn Tage." (Bukhari 969). Auch er ist einer der vier heiligen Monate.
Die vier heiligen Monate und ihre Regeln
Die vier heiligen Monate (al-ashhur al-hurum) sind: Muharram, Rajab, Dhul Qa'dah und Dhul Hijjah. Der Koran nennt sie in Sure 9, Vers 36 ausdrucklich. In diesen Monaten gelten besondere Regeln:
- Verbot von Kampfen: In der vorislamischen und fruhen islamischen Zeit war es verboten, in diesen Monaten Kriege zu beginnen oder Streit zu entfachen. Dies ermoglichte sicheres Reisen und Handel.
- Erhorte Sundenvergebung: Gute Werke werden starker belohnt, schlechte Taten wiegen schwerer. Die Gelehrten betonen: Die heiligen Monate sind keine Zeit, um Sundhaftes zu intensivieren, sondern Gutes zu vervielfachen.
- Empfohlenes Fasten: Freiwilliges Fasten in den heiligen Monaten wird besonders empfohlen. Ibn Abbas berichtete, dass der Prophet in den heiligen Monaten fastete (Abu Dawud).
Hijri zu Gregorianisch umrechnen
Eine gebrauchliche Naeherungsformel fur die Umrechnung vom Hijri- ins gregorianische Jahr:
Gregorianisches Jahr = Hijri-Jahr + 622 - (Hijri-Jahr / 33)
Beispiel: Das Jahr 1447 AH beginnt ungefahr im Jahr 2025/2026 n.Chr. Da der islamische Kalender keine Schaltmonate kennt, wandert der Beginn jedes islamischen Jahres jahrlich um etwa 11 Tage gegenuber dem gregorianischen Datum vor. Fur genaue Umrechnungen, besonders fur spezifische Datumseingaben, empfehlen sich spezialisierte Kalenderrechner oder Apps wie FivePrayer, die das aktuelle Hijri-Datum in Echtzeit anzeigen.
Die vollstandige Wanderung durch den gregorianischen Kalender dauert ungefahr 33 Jahre. Das bedeutet: Ramadan fiel 2012 im Sommer und wird in etwa 33 Jahren wieder im Sommer fallen. Muslime, die in kalten Landern wie Deutschland, Osterreich oder der Schweiz leben, erleben also Ramadan mit sehr langen Fastentagen (bis zu 19 Stunden) in bestimmten Perioden, und mit sehr kurzen Fastentagen in anderen.
FAQ
Warum hat der islamische Kalender 354 Tage?
Der islamische Kalender ist ein reiner Mondkalender. Jeder Monat beginnt mit der Sichtung der Mondsichel und dauert 29 oder 30 Tage. Ein Jahr hat 12 solcher Mondmonate, was insgesamt etwa 354 Tage ergibt. Das macht den islamischen Kalender rund 11 Tage kurzer als den gregorianischen Sonnenkalender, weshalb islamische Ereignisse jedes Jahr zu einer anderen Jahreszeit stattfinden.
Wann begann das Jahr 1 des islamischen Kalenders?
Das Jahr 1 AH (Anno Hegirae) entspricht dem Jahr 622 n.Chr. im gregorianischen Kalender. Dieses Jahr markiert die Hijra, die Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina, die als Grundungsereignis der islamischen Gemeinschaft gilt. Der Kalender wurde erst unter dem Kalifen Umar ibn al-Khattab im Jahr 638 n.Chr. formell eingefuhrt, mit ruckwirkender Zahlweise ab der Hijra.
Was sind die vier heiligen Monate im Islam?
Die vier heiligen Monate (al-ashhur al-hurum) sind: Muharram (1. Monat), Rajab (7. Monat), Dhul Qa'dah (11. Monat) und Dhul Hijjah (12. Monat). Kampfe und Streit sind in diesen Monaten besonders verboten, gute Taten werden starker belohnt, und freiwilliges Fasten ist besonders empfohlen. Der Koran nennt sie in Sure 9, Vers 36.
Wie rechnet man vom islamischen ins gregorianische Datum um?
Eine einfache Naeherungsformel: Gregorianisches Jahr = Hijri-Jahr + 622 minus (Hijri-Jahr geteilt durch 33). Fur genaue Umrechnungen empfehlen sich spezialisierte Kalenderrechner oder die FivePrayer-App, die das aktuelle Hijri-Datum neben dem gregorianischen Datum anzeigt.
Welcher islamische Monat ist der wichtigste?
Alle Monate haben ihre Bedeutung, aber Ramadan gilt als der geehrteste: In ihm wurde der Koran herabgesandt (Koran 2:185) und er enthalt die Laylat al-Qadr, die Nacht der Bestimmung. Muharram ist der heiligste der vier heiligen Monate. Dhul Hijjah beherbergt die zehn besten Tage des Jahres (Bukhari 969) und den Hajj. Je nach Kontext hat also jeder Monat seine eigene herausragende Bedeutung.
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