Kurzubersicht Wudu:

Pflicht: Koran 5:6, Pflicht vor jedem Gebet und Koranberuhrung
Fard-Handlungen: Gesicht waschen, Arme bis Ellbogen, Kopf abwischen, Fusse bis Knoechel
Sunnah: Niyyah, Bismillah, Miswak, dreimaliges Waschen, Ohren abwischen
Dua nach Wudu: Sahih Muslim 234 (Schahada + Dua)
Bricht den Wudu: Schlaf, Ausscheidungen, Bewusstlosigkeit
Khuff: Wischen uber Socken erlaubt (24 Std. / 72 Std. fur Reisende)

Der Wudu ist kein bloss formales Ritual. Der Prophet (Frieden sei mit ihm) sagte: "Die Reinheit ist die Halfte des Glaubens" (Sahih Muslim 223). Jedes Mal, wenn ein Glaubiger den Wudu verrichtet, werden ihm durch das Abtropfen des Wassers die kleinen Sunden vergeben, bis hin zu den Sunden seiner Fingerkuppen. Diese Verbindung zwischen korperlicher Reinigung und geistiger Erneuerung macht den Wudu zu einem der bedeutsamsten Akte im taglichen Leben eines Muslims.

Gleichzeitig ist der Wudu eine Bedingung, ohne die das Gebet nicht gultig ist. Es genugt nicht, irgendwie Wasser uber die Glieder zu gieszen. Die Reihenfolge, die Vollstandigkeit der benetzten Flache und die Absicht sind entscheidend. Diese Anleitung legt alles klar dar: vom ersten Bismillah bis zur letzten Dua.

Die koranische Pflicht des Wudu

Allah der Erhabene hat den Wudu direkt im Koran als Pflicht festgelegt:

"O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr euch zum Gebet erhebt, dann wascht eure Gesichter und eure Hande bis zu den Ellbogen, und wischt uber eure Kopfe, und wascht eure Fusse bis zu den Knoecheln." (Koran 5:6)

Dieser Vers ist einer der klarsten koranischen Befehle uberhaupt. Er nennt die vier Pflichthandlungen des Wudu explizit beim Namen. Die Gelehrten aller vier Rechtschulen (Hanafiten, Malikiten, Schafiiten, Hanbaliten) sind sich in der Auslegung dieser Pflichten einig, wenngleich sie in einigen Sunnah-Details voneinander abweichen.

Der Wudu ist erforderlich fur:

  • Jedes der funf Pflichtgebete (Salah)
  • Das Freitagsgebet (Jumu'ah)
  • Die Beruhrung des Korans (nach Mehrheitsmeinung)
  • Die Umrundung der Kaaba (Tawaf)
  • Die Sujud at-Tilawah (Niederwerfung beim Koran-Rezitieren)

Der Wudu ist nicht erforderlich fur das blozze Rezitieren des Korans auswendig oder fur das Lesen von Tafsir-Buchern. Er ist auch nicht erforderlich fur normale Dhikr-Formeln.

Die vier Fard-Handlungen

Ohne diese vier Handlungen ist der Wudu ungultig, unabhangig davon, wie sorgfaltig man alles andere verrichtet hat:

1. Das Gesicht waschen (Ghasl al-Wajh)
Das Gesicht beginnt von der Haargrenze auf der Stirn bis zum untersten Teil des Kinns in der Lange, und von einem Ohrlappchen zum anderen in der Breite. Der gesamte Bereich muss vollstandig benetzt werden. Der Bart gehort dazu: Wer einen dunnen Bart hat, muss die Haut darunter durchnassen. Wer einen dichten Bart hat, genugt es, die Oberflache des Barts zu benetzen, nach der Mehrheitsmeinung.

2. Die Arme bis einschliesslich der Ellbogen waschen (Ghasl al-Yadayn)
Beide Arme mussen von den Fingerspitzen bis hin zu den Ellbogen gewaschen werden, wobei die Ellbogen selbst eingeschlossen sind. Kein Fleckchen trockene Haut darf ubrigbleiben. Ringe, Armbander und Uhren mussen ggf. bewegt werden, damit das Wasser darunter gelangt.

3. Den Kopf abwischen (Mash al-Ra's)
Der Koran verwendet das Wort imsahu (wischt uber), nicht ighsilu (wascht). Das Abwischen genugt, ein vollstandiges Durchnassen ist nicht erforderlich. Die Meinungen uber die Mindestflache unterscheiden sich: Die Hanafiten sagen ein Viertel des Kopfes, die Malikiten und Hanbaliten sagen den gesamten Kopf, die Schafiiten sagen irgendein Teil, auch nur ein einziges Haar.

4. Die Fusse bis einschliesslich der Knoechel waschen (Ghasl al-Rijlayn)
Beide Fusse mussen bis zu den Knoecheln gewaschen werden, wobei die Knoechel eingeschlossen sind. Besondere Sorgfalt ist bei den Zehenzwischenraumen geboten. Wer Nagellack tragt, der wasserdicht ist, muss ihn entfernen, da das Wasser die Nagel nicht erreichen kann.

Die vollstandige 12-Schritte-Methode

Die folgende Methode verbindet die Pflichthandlungen mit den empfohlenen Sunnahs des Propheten (Frieden sei mit ihm):

Schritt 1: Niyyah (Absicht)
Man beabsichtigt im Herzen, den Wudu zu verrichten. Die Niyyah muss nicht laut ausgesprochen werden. Es genugt die bewusste Absicht, den Wudu zur Reinigung fur das Gebet zu verrichten. Ohne Absicht ist der Wudu nach Ansicht der Malikiten, Schafiiten und Hanbaliten ungultig.

Schritt 2: Bismillah sprechen
Man sagt: "Bismillah" (Im Namen Allahs). Dies ist eine starke Sunnah. Der Prophet (Frieden sei mit ihm) sagte: "Es gibt keinen Wudu fur denjenigen, der nicht Allahs Namen erinnert" (Abu Dawud 101, Tirmidhi 25). Die Mehrheit versteht dies als eine Betonung der Sunnah, nicht als Fard.

Schritt 3: Hande waschen
Beide Hande bis zu den Handgelenken dreimal waschen. Der Bereich zwischen den Fingern wird dabei gereinigt. Dies ist die erste Handlung, die der Mensch nach dem Aufwachen tun soll, da man nicht weiss, wo die Hande in der Nacht gewesen sind (Sahih al-Bukhari 162).

Schritt 4: Mundspulung (Madmadah)
Dreimal den Mund mit Wasser spulen. Man nimmt Wasser in die Hand, gibt es in den Mund, bewegt es kraftig und spuckt es aus. Ein Miswak (Zahnholz) zu benutzen ist in diesem Schritt besonders empfohlen.

Schritt 5: Nase ausspulen (Istinschaq)
Dreimal Wasser in die Nase einziehen und ausschnauben. Der Prophet (Frieden sei mit ihm) empfahl, beim letzten Mal krafter auszuschnauben (Sahih al-Bukhari 162).

Schritt 6: Gesicht waschen (Fard)
Das gesamte Gesicht dreimal waschen, von der Haargrenze bis zum Kinn, von Ohrlappchen zu Ohrlappchen. Sicherstellen, dass kein Bereich trocken bleibt. Den Bart dabei berucksichtigen.

Schritt 7: Rechten Arm waschen (Fard)
Den rechten Arm von den Fingerspitzen bis einschliesslich des Ellbogens dreimal waschen. Die Finger werden dabei gespreizt, damit das Wasser zwischen sie gelangt.

Schritt 8: Linken Arm waschen (Fard)
Den linken Arm von den Fingerspitzen bis einschliesslich des Ellbogens dreimal waschen. Immer mit der rechten Seite beginnen, das ist die Sunnah.

Schritt 9: Kopf abwischen (Fard)
Mit angefeuchteten Handen einmal uber den Kopf wischen. Die klassische Methode: Beide Hande werden benetzt, dann beginnt man von vorne am Haaransatz und fuhrt die Hande bis zum Hinterkopf, dann zuruck nach vorne. Dies wird einmal gemacht, nicht dreimal wie beim Waschen.

Schritt 10: Ohren abwischen (Sunnah)
Mit demselben Wasser wie beim Kopf wischt man die Innenseite der Ohren mit den Zeigefingern und die Aussenseite mit den Daumen ab. Dies ist eine bestatige Sunnah.

Schritt 11: Rechten Fuss waschen (Fard)
Den rechten Fuss dreimal waschen, von den Zehenkuppen bis einschliesslich der Knoechel. Die kleinen Zehenzwischenraume werden mit dem kleinen Finger der linken Hand gesaubert (Sunnah).

Schritt 12: Linken Fuss waschen (Fard)
Den linken Fuss dreimal waschen, genauso wie den rechten. Auch hier die Zehenzwischenraume nicht vergessen.

Der Wudu ist jetzt vollstandig. Er soll ohne unnotigte Unterbrechung verrichtet werden (Muwalah) und in der angegebenen Reihenfolge (Tartib) nach der Mehrheitsmeinung.

Dua nach dem Wudu

Nach dem Abschluss des Wudu empfiehlt es sich, den Blick zum Himmel zu richten und folgendes zu sagen:

"Aschadu an la ilaha illallah wahdahu la scharika lah, wa aschadu anna Muhammadan abduhu wa rasuluh. Allahumma ij'alni min at-tawwabin waj'alni min al-mutatahhirin."

Bedeutung: "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt ausser Allah allein, ohne Teilhaber, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist. O Allah, mache mich zu einem der Reumutigen und mache mich zu einem der sich Reinigenden."

Der Prophet (Frieden sei mit ihm) sagte: "Wer vollstandigen Wudu verrichtet und dann sagt: Aschadu an la ilaha illallah... dem werden alle acht Tore des Paradieses geoffnet, sodass er durch welches er mochte eintreten kann." (Sahih Muslim 234)

Dies ist eine der lohnendsten Handlungen, die ein Muslim nach dem Wudu tun kann, und sie kostet kaum eine halbe Minute.

Was den Wudu bricht

Der Wudu bleibt gultig, bis einer der folgenden Faktoren eintritt:

1. Ausscheidungen aus den Schamteilen
Alles, was normalerweise aus den vorderen oder hinteren Offnungen des Korpers kommt, bricht den Wudu: Urin, Kot, Winde (auch stille), Blut aus diesen Bereichen in signifikanter Menge. Auch Madhi (Voraussonderung) und Wadi (nach dem Urinieren) brechen den Wudu nach Mehrheitsmeinung.

2. Tiefer Schlaf
Schlaf, bei dem man die Kontrolle uber seinen Korper verliert (d.h. man ist nicht mehr in einer aufrechten, gesammelten Position), bricht den Wudu. Das Einnicken im Sitzen mit festem Gesaz bricht den Wudu nach einigen Gelehrten nicht. Der Prophet (Frieden sei mit ihm) sagte: "Das Auge ist das Band des Hinterteils. Wer schlaft, soll den Wudu erneuern." (Abu Dawud 203)

3. Bewusstlosigkeit und Rausch
Ohnmacht, Koma, Epilepsieanfall, Narkose und Berauschung durch Alkohol oder Drogen brechen den Wudu. Der Verlust der Kontrolle uber den Geist steht in einer Kategorie mit dem Schlaf.

4. Buhren an den Genitalien
Das Buhren an den eigenen Genitalien mit der Innenseite der Hand oder der Innenseite der Finger bricht den Wudu nach Ansicht der Malikiten, Schafiiten und Hanbaliten. Die Hanafiten sagen, es bricht ihn nicht, da kein Hadith dies ausdrucklich als Nasaq (Unreinheitsquelle) nennt.

Was den Wudu NICHT bricht (entgegen verbreiteter Annahme):

  • Blut oder Eiter aus kleinen Wunden (nach Malikiten, Schafiiten, Hanbaliten; die Hanafiten sagen, es bricht ihn ab einer bestimmten Menge)
  • Erbrechen (nach Malikiten und Schafiiten; Hanafiten und Hanbaliten sagen, eine volle Mundmenge bricht ihn)
  • Lachen beim Gebet (bricht nur das Gebet, nicht den Wudu, nach Mehrheitsmeinung)
  • Das Tragen oder Anfassen von unreinen Gegenstanden
  • Das Sprechen von unschicklichen Worten

Wudu mit Socken (Khuff)

Der Islam erlaubt in seiner barmherzigen Erleichterung das Wischen uber Ledersocken oder geeignete wasserdichte Socken (Mash ala al-Khuff), anstatt die Fusse bei jedem neuen Wudu vollstandig zu waschen.

Bedingungen fur die Gultigkeit des Khuff-Wudu:

  • Man hat die Socken angezogen, wahrend man sich in einem Zustand des vollstandigen, gultigen Wudu befand (einschliesslich gewaschener Fusse).
  • Die Socken bedecken die Knoechel vollstandig.
  • Sie sind wasserdicht oder aus Leder (die Mehrheit der Gelehrten erlaubt heute auch dicke Stoffsocken, wenn sie die Fusse vollstandig bedecken und nicht sofort nass werden).

Wie wischt man uber die Socken?
Man benetzt die Finger und wischt mit den Fingern beider Hande vom Zehenbeginn bis zum Knoechel uber den oberen Teil des rechten Fusses, dann entsprechend uber den linken Fuss. Man wischt nur die Oberseite ab, nicht die Unterseite.

Dauer der Erlaubnis:

  • Fur den ortlich Ansassigen (Mukim): 24 Stunden ab dem ersten Wudu nach dem Anziehen der Socken
  • Fur den Reisenden (Musafir): 72 Stunden (drei Tage und Nachte)

Diese Erleichterung ist durch zahlreiche Hadithe des Propheten (Frieden sei mit ihm) belegt. Ali ibn Abi Talib (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: "Hatte die Religion auf blozer Vernunft beruht, waren die Unterseiten der Socken eher abzuwischen als die Oberseiten. Ich aber sah den Propheten (Frieden sei mit ihm) uber die Oberseiten seiner Socken wischen." (Abu Dawud 162)

Haufig gestellte Fragen

Muss man den Wudu nach jedem Gebet erneuern?

Nein. Ein einmal verrichteter Wudu bleibt gultig, bis einer der Wudu-brechenden Faktoren eintritt. Man kann mit einem einzigen Wudu mehrere Gebete hintereinander verrichten. Der Prophet (Frieden sei mit ihm) betete manchmal mehrere Gebete mit einem Wudu (Sahih al-Bukhari 214). Es ist jedoch empfohlen (Sunnah), fur jedes Gebet frischen Wudu zu machen, wenn es moglich ist.

Was tut man, wenn man kein Wasser hat?

Wenn kein Wasser verfugbar ist oder dessen Nutzung gesundheitlich schadet, ist der Tayammum (trockene Reinigung mit sauberem Boden oder Sand) erlaubt. Allah sagt: "Wenn ihr kein Wasser findet, dann reinigt euch mit sauberem Boden." (Koran 4:43). Der Tayammum ersetzt den Wudu vollstandig fur das Gebet und hat seine eigene Methode.

Bricht Wudu, wenn man eine Person des anderen Geschlechts beruht?

Diese Frage ist in den Rechtschulen umstritten. Die Schafiiten sagen, die Beruhrung einer fremden Frau oder eines fremden Mannes bricht den Wudu, unabhangig von Absicht oder Begierde. Die Hanafiten sagen, sie bricht ihn grundsatzlich nicht. Die Malikiten unterscheiden nach Begierde. Die Hanbaliten sagen, nur die Beruhrung mit Begierde bricht ihn. Da die Schulen unterschiedlicher Meinung sind, ist es ratsam, seiner eigenen Rechtsschule zu folgen.

Ist Wudu fur das Koranrezitieren aus dem Gedachtnis notwendig?

Das Rezitieren des Korans auswendig (ohne ein physisches Exemplar zu benutzen) erfordert keinen Wudu nach der Mehrheitsmeinung. Das Halten des Mus-haf (des physischen Koranexemplars) hingegen erfordert nach der Mehrheit der Gelehrten einen gultigen Wudu. Zu den Beweisen zahlt der Hadith: "Nur ein Reiner beruhre den Koran" (Al-Muwatta 1:199).

Was bedeutet es, wenn der Wudu abbricht und man sich mitten im Gebet befindet?

Wenn der Wudu wahrend des Gebets bricht, muss man das Gebet abbrechen, aus dem Gebetsraum treten, den Wudu erneuern und das Gebet von Anfang an wiederholen. Dies ist die Mehrheitsmeinung aller vier Rechtschulen. Man sollte ruhig und ohne Unruhe den Gebetsraum verlassen, um andere nicht zu storen.

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